People of my Town is a series of forty small sized colour photographic portraits of people from Varena. Their professions seem antiquated, strange and curious: baker, beekeeper and poet. The artist relates, "In Lithuania I wanted to photograph one of the train conductors dressed in a military looking uniform. At first she was not willing to leave the station in her uniform. When I was able to convince her to come with me to the wall where I planned to make the series she became nervous and told me how forbidden it was to be photographed in the uniform. Happily after a long discussion, she finally agreed to be photographed".
All the portraits are taken in the open air before the same white wall on a carpet of grass and weed. One or two objects symbolise the subject�s activity. At the same time, they seem like attributes and are reminiscent of painted portraits of the 15th century. But even in the connection between the people and their profession, there is an association with August Sander who photographed in 1930s Germany.
Pigagaite�s subjects look at the camera with a serious gaze like the people portrayed at the beginning of photography. Between self-representation and trusting frankness towards the photographer, they have an aura of pureness and the exotic world of the Baltic.
Menschen meiner Stadt
Warum lieben wir diese Gesichter? In Ramune Pigagaites Serie agieren die Protagonisten wie Symbole ihrer selbst.
Die Schneiderin, eine ganz und gar resolute, volumin�se Person im Blumenkleid, hat ein B�geleisen in ihrer rechten Hand, eine Schere in der linken und um den Hals - wie es sich geh�rt - ein Ma�band. Ihr Kleid ist sicher selbstgeschneidert, denn so ein wunderbares Modell findet man nicht in der Boutique um die Ecke.
Was die namentlich nicht genannte Schneiderin tut, teilt sie uns �ber ihre Attribute mit - fast wie eine Heilige in der christlichen Ikonografie des Mittelalters. Doch wo sie posiert, k�nnen wir nur ahnen. Ein Rasenst�ck und eine wei�get�nchte Steinwand. Mehr ist nicht zu sehen. Frauen wie die Schneiderin gibt es in jeder Stadt. Sie begegnen uns im Supermarkt - oder eben in einer �nderungsschneiderei. Warum lieben wir ihre Gesichter? Warum sind sie uns so vertraut? Vielleicht ist es das: Wir sehen in Ihnen, was wir bef�rchten, zu verlieren.
Die Personen in Ramune Pigagaites Serie �Die Menschen meiner Stadt�, allesamt fotografiert in der kleinen litauischen Provinzstadt Varena - genauer gesagt: vor der Mauer des �rtlichen Lebensmittelladens - kommen uns vertraut vor: die Schneiderin mit dem B�geleisen, der Schuster mit dem Metallfu� unter dem Kittel, der Kammerj�ger, der ein totes M�uschen am Schwanz h�lt. So sehen wir sie: mit den Attributen, die ihre Profession preisgeben, vor der wei�en Wand - Menschen einer verlorenen Zeit.
Was uns an den Bildern der in Frankfurt am Main lebenden litauischen Fotografin so gef�llt (und jeder, der diese kleinen Arbeiten einmal gesehen hat, liebt sie) ist: Diese Menschen sind so anders als das, was Reportage, Werbung und Dokumentarfotografie an Klischees des modernen Lebens sonst ans Licht zerren. Es sind ganz einfach Leute, bei denen man sich gerne das Hemd �ndern oder das Loch im Schuh flicken l�sst. Menschen, die M�use verjagen, wie sie es schon immer getan haben. Menschen aus einer Zeit, in der man B�cker war oder Schuster. Und nicht Grafikdesigner oder Netzwerk-Profi.
Pigagaite - selbst in Varena geboren - begann ihre Serie im Milleniumsjahr 2000, eine �autobiografische� Fotoserie, die kaum nach vorne, sondern eher zur�ck zu blicken scheint. Folgt die Fotografin deshalb einem nostalgischen, gar tr�b gewordenen Blick? Eher ist es, als gel�nge es ihr, in Zeiten fotografischer Illusionen, konstruierter Realit�ten und medialer Unsicherheiten Bilder zu schaffen, die Splitter der Wirklichkeit eingeschlossen haben. Ja! So sind die Menschen wirklich, m�chte man ausrufen.
Die nur 35 mal 23 Zentimeter kleinen Fotografien von Pigagaite erz�hlen jede Menge Geschichten. Im Detail (man kann versinken in den Kleinigkeiten: der abgeschabte Koffer des Werkdirektors etwa - oder der G�rtel des Stundenarbeiters) aber auch im Gro�en: Die Selbstgewissheit, die Festigkeit, die Ruhe der Portr�tierten h�lt uns gefangen. Ob Eisenbahnarbeiter, Gelegenheitsmaler oder Kammerj�ger: Sie agieren auf Pigagaites B�hne nicht wie Zeitgenossen der 1966 geborenen Fotografin, sondern wie Symbole ihrer Selbst. Doch anders als bei August Sanders �Menschen des 20. Jahrhunderts� scheinen sie beseelt. Es ist nicht der sachliche Blick des Dokumentaristen, der aus ihnen spricht.
Nat�rlich fotografiert auch Pigagaite gegen das Verschwinden. Denn auch in Litauen werden Kammerj�ger und Gelegenheitsmaler wohl bald anders aussehen, wie sie selbst sagt: �Auch hier sind langsam die Ver�nderungen in der Welt sp�rbar, denn die Brotfabrik, deren Arbeiterin mir einst stolz posierte, gibt es inzwischen nicht mehr und der Werkdirektor ist auch gerade dabei, Konkurs anzumelden.� Betrachten wir also die �Menschen meiner Stadt� von Ramune Pigagaite nicht als fotografische Exotika, sondern als unsch�tzbar wertvolle Dokumente des Diversen. Freuen wir uns an der Buchhalterin mit der dunklen Hornbrille, an den roten Wangen der B�ckerin. Ganz fest dr�ckt sie den riesigen Brotlaib an ihren K�rper. Beinahe so, als w�re es ihr Kind - das Wertvollste, was sie hat.
Marc Peschke (Email
Ramune Pigagaite was born in Varena, a small town in Lithuania. She has been living in Germany since 1992 where she studied Photography in Mainz. The relationship to her native country has not been broken and her most important work has been realised there: Villagers 1997, Morte 1999, Portraits of Things 2000, People of my Town 2000.